Der Grund für das Beharren des türkischen
Staates auf dem Staudammprojekt im Munzurtal trotz der wissenschaftlich
festgestellten negativen Auswirkungen der Umsetzung des Planes, mehrere
Staudämme zu bauen, ist ein politischer.
Das Ziel ist es, das Munzurtal, das das Herz Dersims darstellt und seit
vielen Jahren aufgrund seiner natürlichen Werte unter Schutz steht,
unter Wasser zu setzen und das dortige Leben zu beenden. Das bedeutet
die Migration Tausender Menschen und die Vernichtung vieler Pflanzen-
und Tierarten.
Der türkische Staat will mit diesem Projekt, dessen erste Entwürfe
schon in den dreißiger Jahren entstanden sind, strategische Lebensräume
der kurdischen Gebiete von Menschen bereinigen und damit die eigenen politischen
Bestrebungen verwirklichen. Eine weitere tragische Seite dieser Angelegenheit
ist es, dass Länder Europas, die seit Jahren an der Umsetzung von
Menschen- und sogar Tierrechten arbeiten und Projekte zum Schutz natürlicher
Werte erstellen, schweigen gegenüber der Firmen, die dieses Projekt
des türkischen Staates finanzieren, das zur Katastrophe führen
wird.
Als kurdischer Künstler protestiere ich mit meiner künstlerischen
Aktion gegen den türkischen Staat als Betreiber dieses Projekts und
seine Unterstützer. Das ist auch der Grund für meine Bilderserie
“Munzur e mawo!”
Die Serie besteht aus vierzig Bilder und drei Hauptthemen:
1.Die Glaubensdimension: dabei handelt es sich nicht um den bekannten
Glauben an eine abstrakte Kraft, sondern um eine Glaubensform, die auf
mythischer Ebene dem Menschen, dem Tier, dem Berg, dem Stein Wert beimisst
und auf dem Glauben an diese basiert. Die Heiligkeit der vierzig Quellen
des Munzur, die aus vierzig Schritten des “Munzur Bawa”, des
Helden der Munzur-Legende, entstanden sind, kommt daher und die Bevölkerung
Dersims hat sich diesen Glauben über Jahrhunderte bewahrt. Das ist
auch der Grund dafür, dass sich meine Serie aus vierzig Bildern zusammensetzt.
2.Die
nationale Dimension: Der Grund dafür, dass ich die Namen der auf
den Bildern abgebildeten vierzig Tiere und Pflanze im kirmançki
(dimili)-Dialekt des Kurdischen geschrieben habe: das ist eine Haltung
gegen die seit knapp einem Jahrhunderte gegen die Kurden angewandte Verleugnungs-
und Vernichtungspolitik. Die Bedeutung dessen ist die Tatsache, dass auch
wir eine Sprache haben, die wir sprechen.
3.Die ökologische Dimension: Die Natur ist ein Phänomen, das
das eigene Gleichgewicht in sich selbst birgt. Jeder Eingriff von außen
stört dieses Gleichgewicht. Menschen, Tiere, Pflanzen, Berge, Steine,
alles Lebende und Nicht-Lebende hat Anteil an der Bildung dieses Gleichgewichts.
Der Mensch jedoch bereitet die Grundlage für eine Katastrophe vor,
indem er gemäß der eigenen Profite grob in die Natur eingreift.
Er arbeitet daran, die Welt, die allen Lebewesen gemeinsam gehört,
in eine Hölle zu verwandeln. Es kann weder einen politischen noch
einen wirtschaftlichen Grund dafür geben, uns diese Katastrophe zu
bringen. Die Natur gehört uns allen. Somit ist es, als ob ich die
Stimmen der Pflanzen und Tiere höre: Sie sagen: “Munzur e mawo!”.
Mit meinem Bild wende ich mich an alle Umweltbewussten, Menschenrechtsorganisationen,
Tierliebhaber und als ganzes an alle Institutionen, die die Natur schützen
wollen” Hört endlich auf die Stimmen der wirklichen Besitzer
des Munzurtals!i